Bertha Meyer-Jacobs (1878-1930)
Preziosen unter dem Namen Kleinodienkunst sind handwerklich gefertigte Einzelstücke. Die hauptsächliche Fertigungstechnik ist das Treiben (Hämmern, Martellieren) von Gold oder Silber (manchmal Kupfer). Von allen anderen Schulen der Goldschmiedekunst aber unterscheidet sich die Kleinodienkunst durch ihren spirituellen Hintergrund, nämlich die Anthroposophie Rudolf Steiners.
Die Geburtsstunde der Kleinodienkunst liegt in den Zehnerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Die aus Hamburg stammende Goldschmiedin Bertha Meyer-Jacobs schloss sich der Anthroposophischen Bewegung an. Sie hatte das Talent, die vorhandenen Skizzen aus der Hand von Rudolf Steiner in einzigartige Schmuckstücke umzusetzen. Immer handelte es sich dabei um Unikate, die auf Bestellung oder als Zueignung für eine Person gefertigt wurden.
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Im Zentrum steht dabei der Schmuckstein, welcher in der anthroposophischen Anschauung ein „Haus“ benötigt. Der Stein und die empfangende Person aber sind durch analog verknüpfte Systeme (Körperteile, kosmische Kräfte) aufeinander bezogen. Mit dem Wissen um diese okkulten Bezüge wird der Kleinodien-Schaffende den Stein, seinen Schliff, das Metall und die Gestaltung des Stückes auswählen.
Seit dem Jahr 1930 gab es dann in Dornach ein Schule für Kleinodienkunst, welche ihre Produkte mit der Lemniskate, einer liegenden Acht, kennzeichnete. Bertha Meyer-Jacobs war hierbei nur noch kurz tätig, sie verstarb im selben Jahr. Andere sollten dieses besondere Künstlerhandwerk fortsetzen.
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